Mütterpraktikum in der KiTa

Erziehende SGB-II Kundinnen verbessern ihre Erziehungskompetenz, indem sie am Modell der „Profis“ in der KiTa lernen.

Sie machen ein „Mütterpraktikum in der KiTa“ (in der Regel 6 Monate) und erhalten dafür eine Mehraufwandsentschädigung (2 € pro Stunde) und Fahrkosten aus den Eingliederungsmitteln des Jobcenters.

Das Jugendamt bietet 14-tägig Reflexionstermine für die teilnehmenden Frauen an. Hier werden die bisherigen Erfahrungen thematisiert und kleine Beobachtungsaufgaben gegeben.

Das Projekt wurde durch Mittel aus dem Demografie-Fonds von der Hochschule Niederrhein wissenschaftlich begleitet.

Die Ergebnisse der Evaluation bestätigen den ungewöhnlichen Ansatz:

  • Alle teilnehmenden Frauen fühlen sich durch das Praktikum mehr in die Gesellschaft und das Arbeitsleben integriert fühlen.
  • Die gesellschaftliche Teilhabe ihrer Kinder hat sich verbessert. Die Frauen verbringen die Zeit mit ihren Kindern anders und intensiver. Die Mütter gaben an, ihre Kinder verstärkt in Bezug auf Schule und Beruf unterstützen zu wollen
  • Die teilnehmenden Frauen berichten, dass sie durch das Praktikum zu Hause mit ihren Kindern konsequenter seien und versuchen, ihre Kinder zu mehr Selbständigkeit zu erziehen, aber auch geduldiger und ruhiger mit ihnen zu sprechen. Sie würden Vieles, was sie in der KiTa bei den Erzieherinnen sehen, auf ihre eigene Erziehung zu Hause übertragen. Selbst die Projektabbrecherinnen berichten, dass sich die Beziehung zu ihren Kindern im Verlauf des Projektes verbessert hat.
  • Neben der Tätigkeit in der KiTa haben auch die Reflektionstermine im Jugendamt in erheblichem Maße zur Zielerreichung beigetragen.
  • Viele der teilnehmenden Frauen streben nun einen Wiedereinstieg in das Berufsleben in Form einer Ausbildung im pädagogischen Bereich an oder haben bereits eine Festanstellung in einer KiTa erhalten. Es ist also absehbar, dass in absehbarer Zeit der Leistungsbezug im Jobcenter wegfällt und sie dauerhaft in den Arbeitsmarkt integriert werden können.

Darüber hinaus gibt es noch positive Rückmeldungen aus den beteiligten Institutionen, z.B.:

  • Die Teilnehmerinnen haben an Selbstbewusstsein und persönlicher Zufriedenheit gewonnen.
  • Vorurteile gegenüber Jobcenter-Kundinnen konnten abgebaut werden.
  • Die teilnehmenden Frauen haben die KiTa-Teams bereichert.

Das Jobcenter EU-aktiv greift den positiven Ansatz auf und bietet den Teilnehmerinnen des „Mütterpraktikums in der KiTa“ über das Bundesprogramm „Soziale Teilhabe“ die Übernahme in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Teilzeit (15-30 Stunden pro Woche) in der KiTa für 3 Jahre an.

Infoblatt:

Infoblatt KiTaplus

Evaluation:

Abschlussbericht Mütterpraktikum in der Kita


Beitrag veröffentlicht am 5. Dezember 2016

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Tags

Wirtschaft & Arbeit

Autorin

Astrid Günther

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